Inklusive Lehrerbildung europäisch gedacht: SWING CAMPUS Projekttreffen an der FAU

SWING CAMPUS – Projekttreffen und Stakeholder-Workshop am FAU Kompetenzzentrum Lehre, 14.-15.04.2026

Gemeinsam für bessere Kommunikation im inklusiven Unterricht

Wie gelingt gute Kommunikation im gemeinsamen Unterricht von hörenden sowie tauben und schwerhörigen Schülerinnen und Schülern? Wie können angehende Lehrkräfte darauf vorbereitet werden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich das ERASMUS+-Projekt SWING CAMPUS, das vom FAU Kompetenzzentrum Lehre koordiniert wird. Partner aus Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Belgien arbeiten gemeinsam an praxisnahen Lösungen für die Lehrerbildung.

Beim Projekttreffen in Fürth kamen die Projektpartner zusammen, um die nächsten konkreten Entwicklungsschritte zu planen. Im Mittelpunkt stand dabei konsequent die Frage: Was brauchen unsere Zielgruppen wirklich?

Konkreter Nutzen für Studierende und Lehrkräfte

SWING CAMPUS entwickelt ein kostenfreies digitales Trainingsprogramm für die Lehreramtsausbildung, das sich an Studierende, Lehrkräfte und weitere Interessierte richtet und gezielt auf inklusive Unterrichtssituationen vorbereitet.

Im Zentrum steht die Frage, wie Kommunikation im gemeinsamen Unterricht mit tauben und schwerhörigen Schülerinnen und Schülern gelingen kann.

Dafür werden praxisnahe Materialien entwickelt, die direkt im Studium und im Unterricht eingesetzt werden können. Dazu gehören unter anderem digitale Video-Wörterbücher, digitale Lernkarten, typische Unterrichtsformulierungen sowie szenische Gebärdensprachvideos, die konkrete Kommunikationssituationen veranschaulichen. Ergänzt wird das Angebot durch interaktive Trainings, die reale Unterrichtssituationen aufgreifen und Handlungssicherheit fördern.

Videostudio am FAU Kompetenzzentrum Lehre

Als koordinierende Einrichtung bringt das FAU Kompetenzzentrum Lehre seine besondere Expertise in die Entwicklung ein, insbesondere in der bedarfsgerechten didaktischen und medialen Gestaltung der Trainingsangebote.

Ein Einblick in das Videostudio vor Ort zeigte, wie diese Materialien entstehen und weiterentwickelt werden. Die enge Verzahnung von didaktischem Konzept, technischer Umsetzung und Praxiserfahrung stellt sicher, dass die Inhalte sowohl im Studium als auch später im Unterricht sinnvoll eingesetzt werden können.

Mehr als Sprache: Perspektiven verstehen

Ein wichtiger Impuls für die inhaltliche Ausrichtung der Trainingsangebote kam aus dem Stakeholder-Workshop, in dem Expertinnen und Experten aus Schule, Hochschule, Forschung und der Deaf Community ihre Perspektiven eingebracht haben.

Im Austausch wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, einzelne Gebärden zu vermitteln. Entscheidend ist vielmehr, Lehrkräfte gezielt auf kommunikative Situationen vorzubereiten und sie für die Perspektiven tauber und schwerhöriger Menschen zu sensibilisieren.

Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit der Gehörlosenkultur sowie ein vertieftes Verständnis dafür, wie Kommunikation im inklusiven Unterricht gestaltet werden kann, damit alle Schülerinnen und Schüler aktiv teilhaben können.

Warum das für Hochschulen wichtig ist

Die Auseinandersetzung mit konkreten Barrieren im Bildungskontext – etwa wenn Unterricht überwiegend mündlich stattfindet, mehrere Personen gleichzeitig sprechen oder Inhalte nicht visuell aufbereitet sind – zeigt, wie schnell Verständigung für taube und schwerhörige Schülerinnen und Schüler erschwert wird. Hinzu kommen fehlende Gebärdensprachkompetenzen und Unsicherheiten im Umgang mit unterschiedlichen Kommunikationsformen.

Für Hochschulen bedeutet das, Lehramtsstudierende gezielt auf solche Situationen vorzubereiten. SWING CAMPUS setzt genau hier an, indem es Materialien entwickelt, die sich direkt in die Lehreramtsausbildung integrieren lassen und konkrete Handlungssicherheit für den Unterricht vermitteln.

So können angehende Lehrkräfte frühzeitig Kompetenzen aufbauen, die für eine aktive Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler am Unterricht entscheidend sind.

Ausblick

Die Materialien werden auf Grundlage einer rund einjährigen Forschungsphase entwickelt, in der zentraler Wortschatz sowie typische Kommunikationssituationen im Unterricht identifiziert wurden. Die didaktische Konzeption und mediale Umsetzung erfolgen in enger Zusammenarbeit mit Bildungsexpertinnen und -experten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Deaf Community und weiteren Stakeholdern.

In einem weiteren Schritt werden die Materialien gezielt mit den jeweiligen Zielgruppen erprobt und summativ evaluiert, bevor sie kostenfrei für Hochschulen, Lehrkräfte und weitere Interessierte zur Verfügung gestellt werden.

Gemeinsam für mehr Teilhabe im Unterricht

Das Treffen in Fürth hat gezeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Praxis und internationalen Partnern ist, um Lehrkräfte gezielt auf kommunikative Herausforderungen im inklusiven Unterricht vorzubereiten.

Unser Leitziel ist die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Zielgruppen sowie die Vorbereitung von Lehrkräften darauf, Kommunikation im Unterricht so zu gestalten, dass alle Schülerinnen und Schüler aktiv einbezogen werden können.

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