Kurzbeschreibung
Prof. Dr. Marc Cleiren (Universität Leiden) entwickelt seit vielen Jahren innovative Konzepte zur persönlichen Entwicklung von Studierenden. Auf Basis seiner psychologischen Expertise kombiniert er Selbsterkenntnis, Reflexion, Begegnung und Kompetenzentwicklung – und verankert diese Elemente in einem digitalen, DSGVO-konformen Lebenslauf-Portfolio, das Studierende über ihr gesamtes Studium hinweg begleitet.
Mit dem Einzug leistungsfähiger KI-Modelle entstanden neue Möglichkeiten: KI übernimmt die thematische Auswertung großer Reflexionsdaten, unterstützt bei der Analyse individueller Entwicklungsverläufe und schlägt passende Workshops, Wahlfächer oder Literatur vor. Die Studierenden behalten durch „Human in the Loop“ jedoch immer die Kontrolle über die Interpretation.
Fakultäten/Fachbereiche
Sozialwissenschaftliche Fakultät, Zentrum für Persönliche Entwicklung (PDC), Universität Leiden (Niederlande)
Förderung durch
KIKomp
Lehrveranstaltungen
- Seminar
- Workshop
Zielgruppe
- Studierende aller sozialwissenschaftlichen Studiengänge
Didaktische Aktivitäten
- aktivieren/motivieren
- betreuen/kommunizieren
Digitale Tools
- KI
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Marc Cleiren
Schlagworte
KI
Ausgangssituation
Viele Studierende beginnen ihr Studium ohne einen roten Faden, der ihre akademischen und persönlichen Lernprozesse verbindet. Fächer wechseln, Anforderungen steigen, Selbstzweifel nehmen zu – besonders nach der Corona-Pandemie. Themen wie Identität, Zukunftsbilder, psychische Gesundheit und Verbundenheit waren oftmals unterrepräsentiert.
Gleichzeitig entstehen große Datenmengen durch Selbstreflexionen, Feedbacks und Portfolioeinträge, die manuell kaum auszuwerten sind. Dies erschwerte es Lehrenden, Entwicklungslinien zu erkennen, Gruppenprozesse zu fördern und die Studierenden gezielt zu unterstützen.
„An der Universität gibt es all diese verschiedenen Fächer, und die Studierenden wechseln von einem Fach zum anderen. Es sind sozusagen kleine Häppchen. Und es gibt nichts, was (…) diese während ihres gesamten Studiums miteinander verbindet.“ – Prof. Dr. Marc Cleiren
Ziele
Das Lehrkonzept verfolgt mehrere Ziele:
- Persönliche Entwicklung verankern: Studierende sollen sich selbst, ihre Werte, Talente und Zukunftsbilder besser verstehen.
- Lernprozesse sichtbar machen: Ein digitales Portfolio dient als roter Faden über mehrere Studienjahre.
- Verbundenheit stärken: Seminare fördern Austausch, Begegnung und Gemeinschaftsgefühl.
- KI verantwortungsvoll einsetzen: KI unterstützt bei Analyse, Reflexion und Orientierung – die Studierenden bleiben aber die finalen Entscheider*innen.
- Psychische Gesundheit fördern: Niedrigschwellige Begleitung und professionelle Coaches erkennen Belastungen frühzeitig.
Konzepte, Umsetzung, Methoden
Das Konzept kombiniert digitale Portfolios, KI-gestützte Analyse und intensive Präsenzseminare. Zunächst pflegen Studierende über ihr gesamtes Studium hinweg Reflexionen, Kompetenzprofile, Feedback und Zukunftsbilder in ein DSGVO-konformes Portfolio ein. Vor Seminaren beantworten große Gruppen (bis zu 400 Personen) Fragen zu Sorgen, Erwartungen oder Begeisterungen. Die KI ordnet diese Antworten in Themen und erstellt Zusammenfassungen und Visualisierungen, die im Seminar direkt als Einstieg dienen. Parallel analysiert KI persönliche Portfolios: Sie erkennt Diskrepanzen zwischen Selbstbild, Zielen und Fremdwahrnehmung und schlägt passende Workshops, Kurse oder Literatur vor. Entscheidungsgrundlage sind ausschließlich die eigenen Reflexionen der Studierenden – transparent begründet („Ich schlage dies vor, weil du letzte Woche geschrieben hast…“). Zentral bleibt der „Human in the Loop“: Coaches und Studierende besprechen die KI-Hinweise gemeinsam und reflektieren deren Relevanz. So entsteht ein Zusammenspiel von digitaler Orientierung und menschlicher Begleitung.
„Man ist also nicht davon abhängig, ob die KI halluziniert oder die Wahrheit sagt, sondern man selbst ist der letzte Prüfstein dafür.“ – Prof. Dr. Marc Cleiren
Erfahrungen
- Seminare gewinnen an Tiefe, weil KI sofort gemeinsame Themen sichtbar macht.
- Studierende erleben Zugehörigkeit und identifizieren gemeinsame Sorgen und Ressourcen.
- Individuelle KI-Auswertungen im Portfolio geben hilfreiche Impulse, ohne Lernprozesse zu ersetzen.
- Der „Human in the Loop“ verhindert Überforderung durch KI und fördert die verantwortungsvolle Nutzung.
- Coaches können frühzeitig Belastungen erkennen und gezielt unterstützen.
- 66 % der Studierenden nehmen freiwillig teil – ein Hinweis auf hohe Akzeptanz.
Erfolgskriterien
- Studierende verfügen über einen dokumentierten, reflektierten Entwicklungsverlauf über mehrere Jahre.
- KI-Impulse fördern Selbstreflexion, Entscheidungsfähigkeit und Studienorientierung.
- Workshops und Empfehlungen passen besser zu individuellen Bedarfen und Zielen.
- Psychische Belastungen werden früh erkannt; Unterstützungsangebote greifen schneller.
- Die Verbindung von persönlicher Entwicklung und Studium stärkt Resilienz, Motivation und Zukunftskompetenzen.
